HYPOMANIAC (ARG/P/F)
Mai 15 @ 20:00

Camila Nebbia – tenor sax,
Gonçalo Almeida – bass,
Sylvain Darrifourcq – drums
Eintrittspreise: Euro 25,00 / 18,00
⇒ Reservierung
Wie eine Hyazinthe ist die argentinische Saxofonistin Camilla Nebbia in den letzten Jahren aus dem Boden geschossen. Kaum in der Szene angekommen legte sie richtig los und schob ihre Triebe schnell und kräftig nach oben. Soweit der kleine Botaniker in uns.
Wenn man heute gerade im Free Jazz als eine der interessantesten aufstrebenden Saxofonistinnen gehandelt wird, muss man schon ein markantes Profil haben.
Nebbias Musik ist meist nicht metrisch gebunden. Sie bewegt sich frei im Zeitfluss, nutzt Beschleunigungen, Dehnungen und Pausen als strukturelle Elemente. Also arbeitet unsere Hummel intensiv mit erweiterten Spieltechniken wie Multiphonics, Überblasen und mikrotonalen Verschiebungen. Rau und körnig ist ihr Ton.
Ihr enge Verbindung zur New Yorker Szene zeitigte bereits die Zusammenarbeit mit u. a., Michael Formanek, Angelica Sanchez, Tom Rainey oder zuletzt gar mit Marilyn Crispell im Trio (A Reflection Distorts Over Water, Relative Pitch Records).
Die klassische Jazzphrasierung mit dem ach so leicht verzögerten Timing, ist bei Camila Nebbia eher am Atemfluss eines Bergsteigers orientiert, sodass ihre Musik natürlicher und ausdrucksstärker wirkt. Anstelle traditioneller melodischer Linien entwickelt sie häufig fragmentierte, gestische Phrasen. Diese wirken wie spontane Klangereignisse, die sich zu organischen Spannungsbögen verdichten. Form entsteht weniger durch Harmonie, sondern durch Dichte, Dynamik und Interaktion. Da schaut der 38-Jährigen bisweilen wohl der frühe Gato Barbieri – ihr verwichener Landsmann – über die Schulter. Soweit der kleine Prof. Filzmeier in uns.
Nomen est manchmal Omen. Hypnotisch, wild und ekstatisch bringt Nebbia nun ihr Trio Hypomaniac auf Betriebstemperatur. Mit ihrer starken physischen und expressiven Komponente ist das freilich live ein Erlebnis.